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Bereits vor der Corona-Pandemie gab es immer wieder Verstöße seitens der Arbeitgeber, da Mitarbeiter in unzulässiger Weise überwacht wurden (Bsp. heimliche Videoüberwachung des Pausenraums).
Auch während der Corona-Pandemie bleibt das Thema Mitarbeiterüberwachung bestehen, wenn auch nicht immer bewusst.

Hilfsmittel können zur Mitarbeiterüberwachung dienen

Während der Pandemie haben Anbieter von Softwarelösungen und entsprechender Tools einen erneuten Aufschwung erfahren durch den gesteigerten Bedarf an Hilfsmitteln für den Arbeitsalltag.

Ein bekanntes Beispiel für ein Tool, was Unternehmen bzw. den Mitarbeitern helfen soll, die Effizienz zu steigern, ist Microsoft Workplace Analytics. Die Mitarbeiter können durch das Tool verfolgen, wo die Effizienz der eigenen Leistung noch ausbaufähig ist. Durch das Tool ist es jedoch möglich, eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle durchzuführen, da der ganze Arbeitstag minutiös verfolgt werden kann (wann wurden E-Mails geschrieben, wann wurde per Teams kommuniziert etc.).

Auch Hilfsmittel, die dazu dienen, ein sicheres Arbeiten während der Pandemie zur Einhaltung der Abstandsregelungen zu gewährleisten, können jedoch auch für eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle genutzt werden. So gibt es Anbieter, die durch ein RFID Tracking das Einhalten der Abstandsregelungen gewährleisten wollen. Durch das Tracking kann jedoch auch ein Bewegungsprofil der Mitarbeiter erstellt und nachvollzogen werden, wer, wann, wem über den Weg gelaufen ist und wie lange miteinander gesprochen wurde.

Ergreifen Verantwortliche keine geeigneten Gegenmaßnahmen (Bsp. nur Mitarbeiter hat zu seinen Analytics Ergebnissen Zugriff) um diese Art der Mitarbeiterüberwachung zu unterbinden, muss mit einem Bußgeld aufgrund von Verstößen gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gerechnet werden.

Grundsätzlich ist beim Einsatz diverser Tools auch immer zu beachten, dass der Aussagegehalt verfälscht sein kann, da es Situationen und Tätigkeiten gibt, die nicht erfasst werden können. Beispielsweise kann Microsoft Workplace Analytics einen unproduktiven Tag anzeigen aufgrund von Störungen, sodass es schlicht nicht möglich war, E-Mails zu schreiben oder auf das System zuzugreifen. Wird für eine Recherche Fachliteratur in Papierform herangezogen, wird das ebenfalls nicht erfasst, obwohl gearbeitet wurde. Auch den Tools sind daher Grenzen gesetzt.

Home Office

Durch die Corona-Pandemie hat vor allem das Home Office einen Boom erfahren und wird auch nach Ende der Pandemiesituation nicht mehr aus dem Arbeitsalltag wegzudenken sein.

Damit gewinnt jedoch auch die Frage der Arbeitszeiterfassung und des immer wieder vorkommenden Arbeitszeitbetrugs an Bedeutung.

Zum einen sind Arbeitgeber gemäß § 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) dazu verpflichtet, Arbeitszeit, welche über die werktägliche Arbeitszeit hinausgeht, aufzuzeichnen. Nach dem Urteil des EuGH (Europäischer Gerichtshof) vom 14.05.2019 (Rs. C-55/18) ist jedoch mit einer Anpassung des ArbZG zu rechnen, wonach Arbeitgeber verpflichtet werden, die Arbeitszeit grundsätzlich zu erfassen. Zum anderen haben Arbeitgeber natürlich ein Interesse daran, dass die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit auch wirklich durch den Arbeitnehmer erbracht wird. Arbeitnehmer hingegen möchten ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht gewahrt wissen, sodass hier grundsätzlich ein Konflikt der gegenüberstehenden Interessen besteht und einer sorgfältigen Abwägung bedarf.

Zur Verdeutlichung dieses Konflikts zwei Beispiele:

Um zu gewährleisten, dass Arbeitnehmer auch tatsächlich im Home Office arbeiten, werden beispielsweise Keylogger eingesetzt, die aufzeichnen, was die jeweilige Person eingegeben hat und wie viele Tastenanschläge es gab. Damit können natürlich auch Passwörter oder andere persönliche Informationen erfasst werden, welche beispielsweise im Rahmen eines Chats unter Kollegen gemacht wurden. Keylogger sind in der Regel datenschutzrechtlich unzulässig.

Auf der anderen Seite haben auch so genannte Totmann-Tools einen Boom erfahren. Dabei handelt es sich um Tools, die dazu dienen, Mausklicks und Tastenanschläge zu simulieren, um den Anwesenheitsstaus in den jeweiligen Tools (Bsp. Microsoft Teams) aufrecht zu erhalten und damit den Anschein zu erwecken, vor dem PC zu sitzen und am Arbeiten zu sein.

Die Beispiele verdeutlichen, dass der Wunsch nach einer Überprüfung der Arbeitnehmer nicht von der Hand zu weisen ist. Jedoch muss dies durch verhältnismäßige Maßnahmen erfolgen und im Einzelfall abgewogen werden.

Fazit

Während Arbeitnehmer mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen, besteht für Verantwortliche die Gefahr der unzulässigen Leistungs- und Verhaltenskontrolle und der damit einhergehenden Mitarbeiterüberwachung. Findet eine unzulässige Mitarbeiterüberwachung statt, liegt ein Verstoß gegen die DSGVO vor und kann mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Verantwortliche sind daher gut beraten, sich vorab entsprechenden Rat über den Einsatz neuer Tools bzw. die Einschätzung zu gewünschten Maßnahmen zu holen.

Laura Piater

Consultant für Datenschutz

Volljuristin

Seit Bürger die Möglichkeit haben, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, stellt sich häufig die Frage, ob der Arbeitgeber den Impfstatus der Beschäftigten erfragen darf.

In der Vergangenheit wurde hier gerne mit dem Arbeitsschutz und der allgemeinen Fürsorgepflicht der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern argumentiert. Die Diskussion ist auch den Aufsichtsbehörden nicht entgangen, sodass nun Informationen hierzu veröffentlicht wurden.

Abfrage des Impfstatus nur unter strengen Voraussetzungen

Arbeitgeber haben grundsätzlich kein Fragerecht bzgl. des Impfstatus zu Coronaimpfungen, wenn die Arbeitgeber nicht unter die speziellen Voraussetzungen der §23a Infektionsschutzgesetz (IfSG) oder § 36 Abs. 3 IfSG fallen (Beispiel: Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen).

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat zudem klargestellt, dass weder das Arbeitsschutzgesetz noch die Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmern eine Rechtsgrundlage für das Fragerecht bieten, da in den einschlägigen Gesetzen gerade keine Pflicht der Arbeitnehmer festgelegt wurde, über Impfungen oder Genesungen Auskunft geben zu müssen.

Auch eine Einwilligung scheidet laut BayLDA in der Regeln mangels Freiwilligkeit aus.

Prüfpflichten von Arbeitgebern

Unterliegen Arbeitgeber gemäß landesspezifischer Regelungen zum Infektionsgeschehen speziellen Prüfpflichten, dürfen diese natürlich weiterhin wahrgenommen werden, sodass die Kenntnisnahme des Impfstatus grundsätzlich möglich ist. Die Prüfpflichten des Arbeitgebers stellen jedoch keine Rechtsgrundlage für die Speicherung des Impfstatus dar.

Abfrage Impfstatus bzgl. Entschädigungszahlung

Bisher konnten Arbeitgeber die Lohnfortzahlung, die während einer behördlich angeordneten Quarantäne angefallen sind, im Rahmen einer Entschädigung nach dem IfSG zurückfordern. Arbeitgeber sind daher bisher in Vorleistung gegangen.

Ab dem 01.11.2021 sollen Ungeimpfte diese Entschädigung jedoch nicht mehr erhalten. Für Arbeitgeber stellt sich daher die Frage, inwiefern diese vorab prüfen müssen oder dürfen, ob eine Impfung vorliegt.

Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDi) Baden-Württemberg hat sich in seinem Positionspapier nun wie folgt geäußert:

„Der Arbeitgeber darf den Impfstatus der Beschäftigten erfragen, wenn er die Entschädigung nach § 56 IfSG für die Behörde auszahlt.

Grundsätzlich ist dem Arbeitgeber bereits die Frage nach privaten oder besonders geschützten Daten nach Art. 9 DS-GVO (Gesundheitsdaten, Gewerkschaftszugehörigkeit etc.) verboten. Im Zusammenhang mit der Auszahlung einer Entschädigung nach § 56 IfSG liegen jedoch genügend gesetzliche Hinweise vor, dass dem Arbeitgeber hierbei eine Rolle zugewiesen wird, die eine solche Frage rechtfertigen kann.“

Eine Auskunftspflicht für Arbeitnehmer ist dem Infektionsschutzgesetz jedoch nicht zu entnehmen. Das bedeutet Arbeitnehmer können sich weigern, die Auskunft zu erteilen.

Fazit

Verantwortliche sind gut damit beraten, genau zu prüfen, ob der Impfstatus der Mitarbeiter verarbeitet werden darf. Ansonsten drohen vor dem Hintergrund, dass es sich um so genannte Gesundheitsdaten (=besondere Kategorie personenbezogener Daten) handelt entsprechend hohe Geldbußen.

Laura Piater

Consultant für Datenschutz

Volljuristin

Einleitung

Ab dem 20.04.2021 müssen Arbeitgeber allen Beschäftigten, die nicht ausschließlich von zu Hause arbeiten, regelmäßig einen Corona-Test anbieten. Dies regelt die jüngste Änderung der bestehenden SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung.

Gemeint sind dabei Selbsttests, welche die Beschäftigten allein und somit zum Beispiel auch zu Hause durchführen können, aber auch die Schnelltests, die von geschultem Personal durchgeführt werden.

Grundaussagen der Regelung

Abhängig vom mit dem Arbeitsplatz verbundenen Infektionsrisiko bestimmt sich die Häufigkeit der Tests. Im Regelfall muss jedem Beschäftigten min. 1 Test pro Kalenderwoche angeboten werden. Wer z.B. aufgrund häufigen oder direkten Mitarbeiter- oder Kundenkontaktes einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt ist, muss 2 Testangebote pro Kalenderwoche erhalten.

Eine allgemeine Testpflicht besteht ausdrücklich nicht, sondern lediglich eine Angebotspflicht.

Erforderliche Datenverarbeitung

Arbeitgeber müssen die Tests zur Verfügung stellen und dokumentieren, dass sie die Tests angeschafft haben und die notwendigen Kapazitäten anbieten. Sie müssen zudem dokumentieren, dass die Beschäftigten das erforderliche Testangebot erhalten haben.

Nicht dokumentiert werden muss, dass das Testangebot auch in Anspruch genommen wurde. Die datensparsamste Lösung ist also, die Tests im Betrieb entsprechend zur Verfügung zu stellen.

Alternativ können die Tests den Beschäftigten auch nach Hause geschickt werden, dazu ist allerdings wieder die Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich und der Versand muss dokumentiert werden.

Ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers ist die Steuerung und Kontrolle von Kapazitäten. Dazu kann es legitim sein, die Ausgabe der Schnelltests an Mitarbeiter zu dokumentieren, um sicherzustellen, dass die erforderliche Mindestanzahl für den Tätigkeitsbereich gewährleistet wurde. Zudem kann dadurch auch die übermäßige Mitnahme von Schnelltests verhindert werden, denn diese könnte die Verfügbarkeit für andere Beschäftigte beeinträchtigen und für den Verantwortlichen übermäßige Kosten verursachen.

Testergebnisse müssen und dürfen grundsätzlich nicht dokumentiert werden. Diese unterliegen als Gesundheitsdaten gemäß Art. 9 DSGVO einem besonderen Schutz.

Lediglich in einigen besonderen Bereichen und Bundesländern gelten Sonderregelungen, die eine Testpflicht vorsehen und somit auch die Dokumentation der Durchführung des Tests erfordern (z.B. Pflegepersonal, medizinisches Personal, Verkaufspersonal).

Bei Arbeitnehmerüberlassung ist grundsätzlich der Entleiher für das Testangebot verantwortlich. Verleiher sollten im Rahmen ihrer Fürsorgepflichten auch im Auge behalten, dass beim Entleiher keine unzulässige Datenverarbeitung im Zusammenhang mit Corona-Tests erfolgt.

Informationspflichten

Wenn sich Verantwortliche für das praktische Angebot durch die allgemeine Ausgabe der Selbsttests entscheiden, müssen keine datenschutzrechtlichen Informationen erteilt werden.

Erfolgt eine Steuerung der Kapazitäten aufgrund berechtigter Organisationsinteressen, ist die Rechtsgrundlage Art. 6 Abs. 1 S. 1 f) DSGVO und die betroffenen Personen müssen auf ihre Widerspruchsmöglichkeit hingewiesen werden. Regelmäßig dürften die Organisationsinteressen des Verantwortlichen zwar überwiegen, doch das ist im Einzelfall zu entscheiden.

Unterliegen der Verantwortliche und seine Beschäftigten besonderen bereichs- oder länderspezifischen Regelungen, die sich auf Datenerhebung und Datenverarbeitung auswirken, so ist darüber zu informieren. Rechtsgrundlage ist in diesem Fall die rechtliche Verpflichtung nach Art. 6 Abs. 1 S. 1 c) DSGVO sein.

Fazit

Die Verordnungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung sind zahlreich und variieren in den einzelnen Bundesländern. Sie werden zudem regelmäßig überarbeitet und angepasst.

Verantwortliche müssen diese Veränderungen im Blick behalten und gegebenenfalls reagieren.

Achten Sie auf die Datensparsamkeit und konzentrieren Sie sich auf die effektive Umsetzung der Maßnahmen, zu denen Sie rechtlich verpflichtet sind. Kontaktnachverfolgung ist Aufgabe der Gesundheitsämter und sollte nicht ohne rechtliche Grundlage von Arbeitgebern übernommen werden.

Stefan Effmert

Volljurist

Berater für Datenschutz

Ein Logistik- und Versandunternehmen hat anhand von Bildaufnahmen kontrolliert, ob die Arbeitnehmer den Corona-Sicherheitsabstand von mindestens 2 Metern im Betrieb einhalten.

 

Das Arbeitsgericht Wesel hat (Az.: 2 BVGa 4/20) dem Unterlassungsanspruch des Betriebsrats insofern stattgegeben, als das Unternehmen es zu unterlassen hat, die Aufnahmen zum Zwecke der Abstandsmessung/-überwachung zu verarbeiten oder an Dritte zu übermitteln ohne zuvor eine entsprechende Einigung mit dem Betriebsrat herbeizuführen.

 

Der Entscheidung lag folgende Situation zugrunde: Die Videokameras waren aufgrund einer Betriebsvereinbarung rechtmäßig installiert. Das Unternehmen anonymisierte die Videodaten mittels einer Software auf Datenservern in Dublin, auf denen die Aufnahmen für sieben Tage gespeichert und danach automatisch gelöscht wurden.

 

Der Betriebsrat hatte in diesem Fall ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (Einführung und Anwendung von technischen Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen) und nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG (Regelungen über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften).

 

Das Arbeitsgericht Wesel weist in seinem Beschluss ferner darauf hin, dass der Arbeitgeber auch in Eilfällen verpflichtet ist, den Betriebsrat zu beteiligen und dessen Mitbestimmungsrecht nach § 87 BetrVG zu wahren. Dies gelte auch unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Corona-Pandemie. Lediglich in sog. Notfällen, in denen sofort gehandelt werden müsse, um von dem Betrieb oder den Arbeitnehmern Schaden abzuwenden und in denen entweder der Betriebsrat nicht erreichbar sei oder keinen ordnungsgemäßen Beschluss fassen könne, könne man über ein Recht des Arbeitgebers für einseitige Anordnungen diskutieren. Ein solcher Notfall und eine solche akute Gefahr, die es abzuwenden gilt, sei in diesem Fall jedoch nicht gegeben.

 

Aufgrund der Betriebsvereinbarung dürfen zwar Aufnahmen von Arbeitnehmern gemacht und gespeichert werden. Die Aufnahmen dürfen jedoch nicht zu anderen als den vereinbarten Zwecken verarbeitet und weitergegeben werden. Der Zweck der Corona-Abstandsmessung wurde bei Abschluss der Betriebsvereinbarung nicht geregelt, sodass datenschutzrechtlich bereits ein Verstoß gegen den Zweckbindungsgrundsatz des Art. 5 Abs. 1 lit. b DSGVO vorliegt.

 

Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats und der Datenschutz sind daher auch in diesen Fällen zwingend zu beachten.

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

Videokonferenzdienste haben während der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen. Der anfangs sehr beliebte US-amerikanische Anbieter Zoom, geriet dabei aufgrund diverser Sicherheits- und Datenschutzmängel zunehmend in die Kritik (wir berichteten).

 

Nach einem Sicherheitsvorfall an einer Schule, hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI BW) im April eine Warnung vor der Nutzung des Dienstes ausgesprochen, die er nun nach Verbesserungen durch Zoom zurückgenommen hat.

 

In Zusammenarbeit mit dem LfDI BW hat Zoom mit der Version Zoom 5.0 folgende Verbesserungen vorgenommen:

 

  • Privacy by Default: Die Einrichtung eines Warteraums und die passwortgeschützte Einwahl ist nun voreingestellt.
  • Zoom schließt jetzt ausdrücklich die Verwendung von Nutzerdaten (einschließlich der Benutzer-IDs der Endgeräte) zu wirtschaftlichen Zwecken aus.
  • Die Video-Kommunikation wird künftig Ende-zu-Ende verschlüsselt sein – zumindest in der kostenpflichtigen Geschäftskunden-Version.
  • Außerdem hat Zoom nun einen Vertreter in der EU benannt, was für die Erreichbarkeit von Zoom durch seine Nutzer und die Durchsetzung von Betroffenenrechten wichtig ist, da Zoom als US-amerikanisches Unternehmen keine Niederlassung in Europa hat.

 

Der LfDI BW bewertete die Fortschritte bei Zoom als positiv, weswegen die Nutzungswarnung zurückgenommen werden konnte. Es sei jedoch noch zu klären, inwieweit Daten bei Zoom zu unternehmenseigenen Zwecken genutzt werden.

 

Der LfDI BW betonte aber auch, dass Verantwortliche weiterhin für die von ihnen initiierte Verarbeitung personenbezogener Daten verantwortlich und gegenüber den betroffenen Personen rechenschaftspflichtig seien. Aus datenschutzrechtlicher Sicht haben noch fast alle Videokonferenzsysteme Nachbesserungsbedarf.

 

Bei der Nutzung von Videokonferenzsystemen sollten Sie deshalb immer genau hinschauen, welche Daten durch deren Nutzung freigegeben werden.

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

 

Dank der Coronapandemie werden immer mehr Maßnahmen erdacht, die die Ansteckungsgefahr eindämmen sowie mögliche Infizierte identifizieren sollen. Mobiles Arbeiten aus dem Homeoffice ist plötzlich in vielen Bereichen möglich wo es vorher nicht denkbar war, Hygieneregeln werden erlassen, Selbstauskünfte zu Reisen in Risikogebiete erhoben.

Viele dieser von Unternehmen eingeführten Maßnahmen betreffen nicht nur betriebsverfassungsrechtlich garantierte Mitbestimmungsrechte, auch der Datenschutz muss in diesen Fällen zwingend beachtet werden.

Generelle Zulässigkeit von Maßnahmen

Aufgrund der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bzw. Dienstherren ist dieser verpflichtet, den Gesundheitsschutz der gesamten Belegschaft sicherzustellen. Im Falle des Coronavirus handelt es sich derzeit um eine pandemische und darüber hinaus meldepflichtige Krankheit, die auch nach Auffassung der Aufsichtsbehörden[1] die Verarbeitung von Gesundheitsdaten durch den Arbeitgeber in diesem Ausnahmefall zulässt.

Zulässige Maßnahmen zur Feststellung, ob ein Mitarbeiter ggfs. infiziert ist, sind demnach zulässig, um weitere Informationen in den Fällen zu erlangen

  • in denen eine Infektion festgestellt wurde oder Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person bestanden hat.
  • in denen im relevanten Zeitraum ein Aufenthalt in einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet eingestuften Gebiet stattgefunden hat.

Dieselben Kriterien gelten auch für Besucher.

Zulässigkeit der Messung der Körpertemperatur

Ob in diesem Fällen eine obligatorische Messung der Körpertemperatur zulässig sein kann, ist indes nicht abschließend geklärt. Einige Aufsichtsbehörden, wie etwa die Irische und Ungarische Aufsichtsbehörde sind der Ansicht, dass die Messung der Körpertemperatur zulässig ist, andere Aufsichtsbehörden, wie etwa die Französische oder Luxemburgische Behörde halten dies für generell unzulässig, nicht zuletzt, weil die Körpertemperatur alleine kein geeignetes Mittel ist, eine Infektion zu identifizieren. Die Deutschen Aufsichtsbehörden haben sich zur konkreten Fragen leider bislang nicht eindeutig geäußert.

Einhaltung der Datenschutzgrundsätze

Einig sind sich sämtliche Behörden hingegen, dass die Datenerhebung transparent erfolgen muss, d.h. die betroffenen Personen müssen darüber informiert werden, welche personenbezogene Daten erhoben werden (etwa falls eine Wärmebildkamera eingesetzt wird), die Grundsätze der Datenminimierung müssen eingehalten werden (so wenige Daten wie möglich erfassen) und selbstverständlich müssen die Daten auch wieder in den angemessenen Fristen gelöscht werden.

Die Vertraulichkeit der Daten spielt außerdem eine besondere Rolle. Die Corona Erkrankung kann zu einer Stigmatisierung des Mitarbeiters führen, weshalb die Namensnennung gegenüber anderen Mitarbeitern grundsätzlich zu vermeiden ist. Nur in Ausnahmefällen dürfen die übrigen Mitarbeiter über den Verdacht der Ansteckung eines Mitarbeiters informiert werden, um Infektionsquellen zu lokalisieren und einzudämmen.

Rechtsgrundlage

Die Rechtsgrundlage zur Verarbeitung personenbezogener Mitarbeiterdaten ergibt sich in diesen Fällen für Arbeitgeber im nicht-öffentlichen Bereich aus § 26 Abs 1 BDSG bzw. Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f) DSGVO jeweils i.V.m. den einschlägigen tarif-, arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen des nationalen Rechts. Soweit Gesundheitsdaten verarbeitet werden, sind zudem auch § 26 Abs. 3 BDSG und Art. 9 Abs. 2 lit. b) DSGVO einschlägig.

Weitergabe der Daten an Behörden?

Eine Pflicht zur Weitergabe der Daten an Behörden (Meldepflicht) besteht nur für Leistungserbringer aus dem Gesundheitsbereich (Ärzte, Krankenhäuser), nicht für Unternehmen. Sofern allerdings behördliche Anfragen (Ortspolizeibehörde, zuständiges Gesundheitsamt) vorliegen, können sich diese aus den spezifischen Länderregelungen ergeben. Hier müssen zunächst die angegebenen Rechtsgrundlagen geprüft werden.

Fazit

Wir halten die anlasslose verpflichtende Messung der Körpertemperatur von sämtlichen Mitarbeitern derzeit für nicht zulässig. Sofern eine solche Messung auf freiwilliger Basis angeboten wird, muss diese unter Einhaltung sämtlicher Datenschutzgrundsätze erfolgen. Die Vertraulichkeit der Ergebnisse müssen gewahrt werden. Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats sind einzuhalten.

i.A. des Datenschutzbeauftragten

C. Lürmann

Rechtsanwältin

Consultant für Datenschutz

[1]https://www.bfdi.bund.de/DE/Datenschutz/Themen/Gesundheit_Soziales/GesundheitSozialesArtikel/Datenschutz-in-Corona-Pandemie.html

 

Während der Arbeit in der Corona-Krise müssen oft viele Informationen schnell ausgetauscht werden. Dazu kommt, dass viele Mitarbeiter im Home Office arbeiten und die Umstellung darauf unter Umständen sehr schnell erfolgte. Das erhöht die Gefahr einer Datenschutzverletzung, d.h. von Vernichtung, Verlust, Veränderung, unbefugter Offenlegung oder unbefugtem Zugang zu personenbezogenen Daten.

 

Allgemein gilt: Sie sollten immer gewissenhaft mit personenbezogenen Daten wie beispielsweise Namen und Adressen umgehen. Seien Sie besonders vorsichtig beim Umgang mit sensiblen Daten wie Gesundheitsdaten, Daten über politische Meinungen oder zu religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen.

 

Hier sind noch einige organisatorische Tipps, die Ihnen dabei helfen sollen personenbezogene Daten zu schützen und Datenschutzverletzungen zu vermeiden:

 

  • Beachten Sie bei der Erstellung neuer Formulare alle Sicherheitsmaßnahmen, damit personenbezogene Daten sicher aufbewahrt und nicht unbeabsichtigt weitergegeben werden können.
  • Stellen Sie bei der Verwendung von Vorlagen zur Erfassung personenbezogener Daten sicher, dass stets eine leere/unbenutzte Vorlage ausgegeben wird.
  • Benutzen Sie komplexe Passwörter und für jeden Dienst/jede Anwendung ein eigenes Passwort. Dabei können Sie unterstützend ein Passwort-Verwaltungsprogramm einsetzen.

 

Bei der Arbeit im Home Office sollte folgendes beachtet werden:

 

  • Weisen Sie Ihre Mitarbeiter im Home Office darauf hin, dass auch weiterhin auf einen sicheren E-Mail-Versand geachtet werden muss, d.h. insbesondere: Kontrolle der Empfänger und Anhänge und Verwendung der BCC-Funktion.
  • Bei der Arbeit im Home Office mit personenbezogenen Daten, für die der Arbeitgeber verantwortlich ist, muss die Sicherheit der Daten an diesen Verarbeitungsstandorten ebenso gewährleistet sein. Es muss sichergestellt sein, dass keine unbefugte Einsichtnahme auf den Bildschirm oder in Papier-Unterlagen durch Dritte stattfinden kann – das umfasst auch Familienmitglieder oder Mitbewohner!

 

Sollte es dennoch zu einer Datenschutzverletzung kommen, melden Sie diese unverzüglich Ihrem Datenschutzbeauftragen, damit dieser eine Risikoabwägung durchführen kann und ggf. eine Meldung der Datenschutzverletzung innerhalb der Frist des Art. 33 DSGVO an die Aufsichtsbehörde erfolgen kann.

 

 

 

Working during the corona crisis, a lot of information often has to be exchanged quickly. In addition, many employees now work from home and the transition to it may have taken place very quickly. This increases the risk of a data breach, i.e. the accidental or unlawful destruction, loss, alteration, unauthorised disclosure of, or access to, personal data.

 

In general, you should always handle personal data such as names and addresses conscientiously. Be especially careful when handling sensitive data such as health data, data on political opinions or on religious or ideological beliefs.

 

Here are some organizational tips to help you protect personal data and prevent data protection violations:

 

  • When creating new forms, take all security measures to ensure that personal data is kept secure and cannot be inadvertently disclosed.
  • When using templates to enter personal data, ensure that an empty/unused template is always output.
  • Use complex passwords and a separate password for each service/application. You may use a password management program to help you do this.

 

The following should be observed when working in the home office:

 

  • Point out to your home workers that they must continue to ensure secure e-mail transmission, in particular by checking the recipients and attachments and using the BCC function.
  • When working from home with personal data for which the employer is responsible, the security of the data at these processing locations must also be guaranteed. It must be ensured that no unauthorised access to the screen or to paper documents by third parties can take place - this includes family members or flatmates!

 

Should a data breach occur nevertheless, please report it immediately to your data protection officer so that he can weigh up the risks and, if necessary, report the data breach to the supervisory authority within the period stipulated in Art. 33 GDPR.

 

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

Wir berichteten bereits über die besonderen Herausforderungen der Betriebsratsarbeit während der Corona-Krise und darüber, dass es für die Durchführung von Betriebsratssitzungen und Beschlussfassungen per Telefon- oder Videokonferenz keine gesetzliche Grundlage gibt. Dies will die Bundesregierung nun ändern und die betriebliche Mitbestimmung auch in der Corona-Krise rechtssicher ermöglichen.

 

Dafür sollen Änderungen im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) vorgenommen werden und rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft treten, damit bereits gefasste virtuelle Betriebsratsbeschlüsse wirksam bleiben.

 

Durch den neuen § 129 BetrVG („Sonderregelungen aus Anlass der Covid-19-Pandemie“) nach aktuellem Entwurf können sowohl die Teilnahme an Betriebsratssitzungen als auch die Beschlussfassung mittels Video- und Telefonkonferenz erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass Dritte vom Inhalt der Sitzung keine Kenntnis nehmen können (§ 129 Abs. 1 S. 1 BetrVG). Eine Aufzeichnung ist jedoch nicht zulässig, § 129 Abs. 1 S. 2 BetrVG. Die nach § 34 Abs. 1 S. 3 BetrVG erforderliche Anwesenheitsliste wird dadurch ersetzt, dass die Teilnehmer ihre Anwesenheit gegenüber dem Vorsitzenden in Textform bestätigen, § 129 Abs. 1 S. 3 BetrVG.

 

Die Sicherheit der Übertragung ist nach den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf insofern sicherzustellen, als dass entsprechende technische und organisatorische Maßnahmen zu ergreifen sind, wie z.B. eine Verschlüsselung der Verbindung und die Nutzung eines nichtöffentlichen Raumes für die Dauer der Betriebsratssitzung.

 

Auch Einigungsstellen und Wirtschaftsausschüsse sollen nach der Neuregelung mittels Video- und Telefonkonferenz Sitzungen durchführen und Beschlüsse fassen können, § 129 Abs. 2 BetrVG.

 

Ferner sollen Betriebsversammlungen, Betriebsräteversammlungen und Jugend- und Auszubildendenversammlungen mittels audiovisueller Einrichtungen durchgeführt werden können, wenn sichergestellt ist, dass nur teilnahmeberechtigte Personen Kenntnis von dem Inhalt der Versammlung nehmen können, § 129 Abs. 3 BetrVG.

 

Die Sonderregelungen des § 129 BetrVG gelten bis zum 31. Dezember 2020 (vgl. § 129 Abs.4 BetrVG).

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

Videokonferenzdienste erfreuen sich zur Zeit zunehmender Beliebtheit. Sie können helfen, gewohnte Arbeitsabläufe während der angeordneten Kontaktsperren aufrechtzuerhalten. Nicht alle Lösungen sind jedoch für den geschäftlichen Einsatz empfehlenswert.

Wir hatten bereits über den US-amerikanischen Anbieter Zoom berichtet. Wie sich nun herausstellt, wurden Zugangsdaten für hunderttausende Zoom-Accounts zum Kauf im Darknet angeboten. Dies berichten Mitarbeiter der IT-Sicherheitsfirma Cyble, die dort rund 530.000 Datensätze ankaufte. Laut Cyble bestehen die Datensätze aus E-Mail-Adressen, Passwörtern im Klartext sowie teilweise aus Meeting-URL und dem Zoom-Host-Key. Der Kaufpreis pro Satz soll weniger als einen US-Cent pro Stück betragen. Die Authentizität der Datensätze wurde nach Angaben von Cyble überprüft.

Das Raumfahrtunternehmen des Tesla-Gründers Elon Musk, SpaceX, hat sich ebenso wie die NASA frühzeitig entschieden, seinen Mitarbeitern die Verwendung von Zoom zu untersagen. Google hat sich mittlerweile ebenfalls entschieden, Zoom auf seinen Arbeitsrechnern zu blockieren. Zoom hatte bereits vor einer Woche den Ex-Sicherheitschef von Facebook engagiert, um die Probleme bei Datenschutz und Datensicherheit in den Griff zu bekommen.

Nicht alle Videokonferenzdienste sind unsicher. Achten Sie vor allem auf ausreichende Verschlüsselung und Verifikation der Nutzer bei der Anmeldung im Konferenzraum. Nicht alles, was kostenlos und nutzerfreundlich ist, erfüllt auch die Sicherheitsstandards für den kommerziellen Gebrauch.

Weiterhin gilt: Sprechen Sie möglichst vor der Einführung neuer Software mit Ihrem Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauftragten! Nur auf diesem Weg erhalten Sie eine kompetente und unabhängige Einschätzung der Risiken von Datenverarbeitungsprozessen. Außerdem kann eine bestehende Lösung bei Bedarf besser abgesichert werden.

Florian S.
Justiziar | M.A.
Consultant für Datenschutz

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