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Einleitung

Seit dem Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Jahr 2016 gab es einige bemerkenswerte Versuche, den Datenschutz für unvorhergesehene Zwecke zu instrumentalisieren. Wenn auch bereichsübergreifendes Denken grundsätzlich begrüßenswert ist und Synergieeffekte fördert, so besteht glücklicherweise weitgehend Einigkeit darüber, dass die sogenannte „Datenschutz-Keule“ nicht dazu gedacht ist, Sonderkündigungsrechte in bestehende Vertragsbeziehungen einzuführen oder einander durch missbräuchliche Nutzung von Betroffenenrechten das Leben schwer zu machen.

Datenschutz im Arbeitsverhältnis

Findige Arbeitsrechtler mit Vorliebe für Prozesstaktik haben sich dieser Vorgehensweise ebenfalls bedient und zunehmend die Betroffenenrechte Ihrer Mandanten in arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen eingeführt.

Ohne Frage sind Beschäftigte durch die allgemeinen Vorgaben und Betroffenenrechte der DSGVO geschützt und genießen darüber hinaus auch durch den § 26 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) eine Sonderstellung.

Wenn sich Beschäftigte aber erst im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber oder anlässlich der Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses einer vermeintlich unzureichenden Datenschutzorganisation des Verantwortlichen oder der eigenen Grundrechtsbeeinträchtigung bewusst werden, ist das zumindest ein angemessen zu würdigender Umstand.

Urteil des BAG vom 27.04.2021 - 2 AZR 342/20

Im vom BAG entschiedenen Fall ging es um eine Kündigung, die bereits nach einmonatiger Probezeit und mit Zustimmung des Betriebsrates ausgesprochen wurde. Der Kläger verlangte Auskunft über die vom Unternehmen zu seiner Person gespeicherten Daten und begehrte zudem eine Kopie des gesamten E-Mail-Verkehrs von ihm sowie aller E-Mails anderer Personen, in denen er erwähnt wird.

Die Revisionsinstanz hatte sich nur noch mit der Frage zu beschäftigten, ob dem Kläger diese Mailkopien zustehen, da die übrigen Klageforderungen bereits vom Arbeitsgericht Hameln und dem LAG Niedersachen abgewiesen wurden.

Hinsichtlich der Mailkopien, bei denen es sich direkt um personenbezogene Daten handelte, haben die Richter den Anspruch des Klägers bestätigt, der sich aus Art. 15 DSGVO herleitet.

Bezüglich der eigenen elektronischen Korrespondenz mit der Firma wurde der Anspruch jedoch abgelehnt, da dieser Schriftwechsel dem Kläger bereits bekannt war. Das deckt sich insoweit auch mit dem Grundgedanken der Art. 13 Abs. 4 und Art 14 Abs. 5 DSGVO, die den Verantwortlichen von seinen Informationspflichten befreien, sofern die betroffene Person bereits über die zutreffenden Informationen verfügt. Will ein Verantwortlicher die Auskunft verweigern, muss er zudem die Ausnahmetatbestände und Dokumentationspflichten des § 34 BDSG berücksichtigen.

Wenn der Kläger darüber hinaus seinen Anspruch auf E-Mails erstrecken möchte, in denen er lediglich in irgendeiner Weise genannt wird, so müsse er diese zumindest insoweit konkretisieren, als dass in einem Vollstreckungsverfahren unzweifelhaft sei, auf welche E-Mails sich das Auskunftsverlangen bezieht.

Fazit

In der Sache blieben die Vorgaben der DSGVO und ihre inhaltlichen Grenzen unberührt. Letztlich stützte das Gericht die Entscheidung auf die Unbestimmtheit des Klageantrags und die fehlende Vollstreckungsmöglichkeit nach den Regeln der ZPO.

Dies kann man sowohl als Entwarnung als auch als Herausforderung betrachten. Mit Sicherheit werden in kommenden Verfahren die Klageanträge sorgfältiger und konkreter formuliert, bis dann eines Tages doch der Umfang des Auskunftsanspruches selbst geklärt werden muss.

Stefan Effmert

Volljurist

Berater für Datenschutz

In den Art. 12 ff. Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind die Rechte der betroffenen Personen geregelt. Art. 15 DSGVO regelt das Auskunftsrecht der betroffenen Personen, dessen Reichweite und Grenzen schon einige Gerichte beschäftigt hat und auch in Zukunft noch beschäftigen wird.

 

Das Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 16.9.2020, Az. 6 C 10.19) hat nun entschieden, dass der Insolvenzverwalter vom Finanzamt keine Auskunft über das Steuerkonto des Insolvenzschuldners, dessen Vermögen er verwaltet, verlangen kann, weil er nicht betroffene Person im Sinne der DSGVO ist.

 

Betroffene Person ist nach Art. 4 Nr. 1 DSGVO nur diejenige natürliche Person, die durch die personenbezogenen Daten identifiziert oder identifizierbar ist.

 

Nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO hat die betroffene Person das Recht, von dem Verantwortlichen eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob sie betreffende, personenbezogene Daten verarbeitet werden. Ist dies der Fall, hat die betroffene Person das Recht auf Auskunft über diese personenbezogenen Daten und die in Art. 15 Abs. 1 DSGVO genannten Informationen (z.B. Verarbeitungszwecke, Kategorien personenbezogener Daten, die verarbeitet werden). Nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO hat die betroffene Person ferner das Recht auf den Erhalt einer Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind.

 

Das Auskunftsrecht ist ein höchstpersönliches Recht der betroffenen Person und gehört als solches nicht zur Insolvenzmasse und geht deshalb nicht mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf den Insolvenzverwalter über. Als höchstpersönliches Recht ist es auch nicht darauf gerichtet, Dritten Informationen über die bei staatlichen Stellen vorhandenen Informationen zu verschaffen.

 

Eine Erweiterung des Auskunftsrechts auf den Insolvenzverwalter stehe dem Sinn und Zweck der Betroffenenrechte entgegen. Denn diese dienen dem Schutz des Grundrechts auf Achtung der Privatsphäre aus Art. 8 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Dafür muss sich die betroffene Person von der Richtigkeit der Daten und der Zulässigkeit der Verarbeitung vergewissern können, was mit dem Auskunftsanspruch erreicht werden kann. Der Insolvenzverwalter wollte damit jedoch potentiell anfechtungsrelevante Sachverhalte zur Mehrung der Insolvenzmasse ermitteln und damit Auskunft über Informationen mit vermögensrechtlichem Bezug.

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

Arbeitnehmer haben nach Art. 15 Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein Auskunftsrecht gegenüber ihrem Arbeitgeber. Dieser ist verpflichtet, die Informationen in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache spätestens innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags zur Verfügung zu stellen. Art. 82 DSGVO regelt bei Verstößen einen entsprechenden Schadensersatzanspruch.

 

Ein ehemaliger Arbeitnehmer hat gegenüber seinem Arbeitgeber diesen Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO geltend gemacht. Der Arbeitgeber ist diesem Auskunftsverlangen jedoch erst nach Monaten und auch nur unvollständig nachgekommen.

 

Das Arbeitsgericht Düsseldorf (Az.: 9 Ca 6557/18) hat das beklagte Unternehmen aus diesem Grund nun zu Schadensersatz in Höhe von 5.000 Euro verurteilt.

 

Die 5.000 Euro Schadensersatz setzen sich wie folgt zusammen: je 500 Euro für die ersten zwei Monate der Verspätung, je 1.000 Euro für die weiteren drei Monate und für die beiden inhaltlichen Mängel der Auskunft je 500 Euro. In die Abwägung des Gerichts floss dabei ein, dass es nur von einem fahrlässigen Verstoß des Unternehmens ausging, der entstandene immaterielle Schaden beim Kläger nur gering war, keine anderen Verstöße bekannt waren und das Unternehmen eine hohe Finanzkraft hatte.

 

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, da das Gericht wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache, insbesondere der fehlenden höchst- und obergerichtlichen Rechtsprechung, die Berufung zugelassen hat.

 

Nehmen Sie daher Auskunftsansprüche ernst und beginnen Sie unverzüglich mit deren Bearbeitung.

 

Julia Eisenacher
Juristin (Univ.)
Consultant für Datenschutz

In seinem beachtenswerten Urteil vom 20.12.2018, 17 Sa 11/18 hat sich das Landesarbeitsgericht von Baden-Württemberg mit der Frage auseinandergesetzt, ob ein Arbeitnehmer das Recht hat, datenschutzrechtliche Auskunftsansprüche nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO auch auf personenbezogene Leistungs- und Verhaltensdaten geltend zu machen. Insbesondere ging es dabei um die Frage, ob er von diesen Unterlagen eine Kopie gem. Art. 15 Abs. 3 DSGVO erhalten darf.

 

Während die Beklagtenseite im konkreten Fall darauf verwies, dass hier die Rechte und Freiheiten anderer Personen betroffen seien und eine Herausgabe aus diesen Gründen nicht zulässig sei, wies das Gericht in seiner Entscheidung darauf hin, dass ein derart pauschaler Hinweis nicht geeignet ist, das Auskunftsrecht einzuschränken.

 

Generell geht das Gericht davon aus, dass der Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO selbstverständlich auch für das Arbeitsverhältnis, also zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gilt. Jedoch bedarf es jeweils einer Einzelfallabwägung, ob ein Recht auf Erhalt einer Kopie bzw. auf das Verweigern dieses Anspruchs besteht. Entscheidend ist dabei die jeweilige Abwägung von dem konkreten Interesse des Arbeitnehmers an der Auskunftserteilung gegen das betriebliche Interesse des Arbeitgebers an der Auskunftsversagung bzw. an den berechtigten Interessen der Dritten.

 

Wichtig ist diese Einschätzung für die immer häufiger eingesetzten Meldesysteme im Rahmen des Whistleblowings. Zwar weist auch das Landesarbeitsgericht darauf hin, dass die Etablierung eines funktionierenden und anonymen Meldesystems durchaus das Interesse des Arbeitgebers an Geheimhaltung begründen kann, andererseits ist es jedoch möglich, dass gerade im Falle von vorsätzlichen Falschangaben oder leichtfertig unrichtigen oder unvollständigen Informationen das Interesse des (beschuldigten) Arbeitnehmers an den Informationen überwiegt. In diesem Fall müssten ggfs. auch personenbezogene Informationen über die Person des Whistleblowers im Rahmen des Auskunftsanspruchs nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO an den betroffenen und um Auskunft verlangenden Arbeitnehmer weitergeleitet werden.

 

Wie also kann man dem Auskunftsanspruch entsprechen, ohne auf ein funktionierendes Whistleblowing-System zu verzichten? Dieses Problem lässt sich am einfachsten lösen, indem das sogenannte Whistleblowing tatsächlich vollständig anonym angeboten wird. Liegen dem Arbeitgeber keine personenbezogenen Daten über den Whistleblower vor, kann er diese folglich auch nicht offenlegen.

 

Soweit die Hinweisgeber ihren Namen nennen wollen, sollten diese bereits bei der ersten Kontaktaufnahme darauf hingewiesen werden, dass die Identität im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben vertraulich behandelt werden. Zugleich sollte er allerdings auch darüber informiert werden, dass die beschuldigte Person innerhalb eines Monats nach der Meldung gem. Art. 14 Abs. 3 lit a DSGVO über die Identität des Hinweisgebers informiert werden muss. Dann ist es empfehlenswert, eine Einwilligung des Hinweisgebers zur Offenlegung seiner Identität einzuholen, die dieser jedoch innerhalb des einmonatigen Zeitraums bis zur Information des Beschuldigten widerrufen kann. Auf diese Weise werden keine Informationen vorenthalten und die Datenverarbeitung bleibt vollständig transparent.

 

C. Lürmann

 

Rechtsanwältin

 

Consultant für Datenschutz

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