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Die größten Browserhersteller Mozilla, Google, Apple und Microsoft haben angekündigt, dass ihre Browser ab 2020 die älteren Versionen von TLS, nämlich TLS 1.0 und TLS 1.1, nicht mehr unterstützen. Das bedeutet, dass Seiten, die nicht mindestens TLS 1.2 unterstützen, dann nicht mehr aufrufbar sein könnten, mindestens aber als unsicher markiert werden.

Dies wurde von den Browserherstellern zeitgleich bekannt gegeben. Nachdem nun von Chrome auch Seiten ohne HTTPS als "nicht sicher" klassifiziert werden, ist dies ein weiterer Schritt, um Benutzer sicherer surfen zu lassen.

Grund für die Abschaffung sind hauptsächlich schwache Hash-Verfahren wie beispielsweise MD5 und SHA1, welche momentan beide gebrochen werden können. Sollte ein Angreifer also lesend Zugriff auf Netzwerkverkehr erhalten, so kann er versuchen, die Verschlüsselung zu brechen. Hierdurch erhält er unter Umständen Zugriff auf sensible Informationen seines Opfers, beispielsweise die Zugangsdaten.

Außerdem bieten die alten TLS Versionen weitere Angriffsmöglichkeiten, wie z. B. BEAST oder POODLE.

Momentan stellen Verbindungen, welche mit TLS 1.0 und TLS 1.1 gesichert werden, allerdings nur einen verschwindend geringen Anteil dar: laut Google's Security Blog werden nur 0.5% aller HTTPS-Verbindungen mit TLS 1.0 oder TLS 1.1 aufgebaut. Da TLS 1.2 schon 2008 als Empfehlung galt, war genug Zeit, um auf die neueren Versionen umzustellen.

Tatsächlich spielt nicht nur die verwendete Version des TLS-Protokolls eine Rolle, sondern auch die angebotenen Cipher. Unter einem Cipher versteht man die bei SSL/TLS eingesetzte Kombination von Verschlüsselungs-, Signatur- und Hashverfahren. Werden diese zu schwach gewählt, kann die Verschlüsselung potenziell gebrochen werden. Zwar wird standardmäßig der stärkste verfügbare Cipher zwischen Client und Server ausgehandelt, jedoch kann ein Angreifer hier eingreifen und eine sehr schwache Verbindung zwischen seinem Opfer und dem Server erzwingen. Diese Attacken werden "TLS Protocol Downgrade Attacks" genannt.

Christian Stehle

IT Security Consultant

Das US-Justizministerium hat gegen den nordkoreanischen Staatsbürger Park Jin-hyok Anklage erhoben und veröffentlicht. Jin-hyok soll an mehreren sehr bekannten Cyberangriffen beteiligt gewesen sein. Unter anderem werden ihm ein Angriff gegen Sony, die Ransomware "WannaCry" und ein Angriff auf die Zentralbank Bangladeschs zur Last gelegt. Die Anklage lautet somit auf Verschwörung und elektronische Kriminalität (Wire Fraud).

Jin-hyok soll dabei im Auftrag der nordkoreanischen Regierung gearbeitet haben und Teil der Gruppe "Lazarus" sein. Dieser Gruppe werden die oben genannten Angriffe zur Last gelegt. Damit ist der angeklagte Jin-hyok möglicherweise nur ein Teil einer organisierten, im Regierungsauftrag handelnden, Gruppe. So wie es heutzutage in vielen Ländern gängige Praxis und damit ein offenes Geheimnis ist. Eine offizielle Bestätigung dieses Vorgehens hat bis dato aber noch keine Regierung verlauten lassen.

Jede dieser bekannten Attacken verursachte immense Schäden, nicht nur finanzieller Natur. Im Falle des Ransomware-Virus "WannaCry" wurden Hunderttausende Computer in über 150 Ländern lahmgelegt. Der verursachte Schaden wurde auf 4 Milliarden US-Dollar geschätzt und schon damals hat das FBI Nordkorea dafür verantwortlich gemacht. Das beispiellose Ausmaß dieser Attacke wurde sogar von der Europol anerkannt.

Gestoppt wurde „WannaCry“ von dem Briten Marcus Hutchins, der dadurch allerdings selbst verdächtigt und in Gewahrsam genommen wurde. Durch die Anklageerhebung gegen Jin-hyok sollte nun aber dieser Verdacht ausgeräumt sein.

Auch der Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures im September 2014 wurde kurz vor einem geplanten Release einer Komödie um das nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim Jong-un durchgeführt. Damals hatte Nordkorea gewarnt, die Veröffentlichung dieses Filmes als kriegerische Handlung anzusehen. Es wurden auch hier durch „WannaCry“ riesige Datenmengen vernichtet, vertrauliche Informationen gestohlen und veröffentlicht. Für Sony Pictures entstand gemäß eigenen Angaben ein Schaden von 35 Millionen US-Dollar.

Und auch die verwendete Malware für den Angriff auf die Zentralbank Bangladeschs im Februar 2016 weist genug technische Gemeinsamkeiten mit „WannaCry“ auf, um zu schlussfolgern, dass diese ebenfalls von der "Lazarus" Gruppe stammt. Dabei erlangten die Angreifer die Möglichkeit von der Bank aus Überweisungen zu tätigen. Es wurden 81 Millionen USD auf ihre Konten überwiesen und es hätten noch 850 weitere Millionen Dollar folgen können, wenn die Angreifer nicht einen Tippfehler beim Empfänger gemacht hätten.

Nordkorea streitet jegliche Beteiligung an allen Cyberangriffen ab, jedoch legt das FBI in der 180-seitigen Anklageschrift ihren Ermittlungsstand dar, in dem die Beteiligung der nordkoreanischen Regierung erläutert wird. Da der angeklagte Jin-hyok in Nordkorea lebt und sein Land ihn nicht ausliefern wird, wird er vermutlich nie vor einem amerikanischen Gericht landen. Dennoch setzt die USA ein Zeichen, dass sie hart gegen Cyberkriminalität vorgeht.

Wie groß die Gruppe "Lazarus" tatsächlich ist, ist unbekannt. Die Vermutung, dass Nordkorea nicht das einzige Land mit einer offensiv ausgelegten Hackergruppe ist, liegt nahe. Dass damit jedoch auch weit weniger aufmerksamkeitserregende Angriffe durchgeführt werden können, besser gesagt gemacht werden konnten, ist durchaus realistisch.

Christian Stehle

IT Security Consultant

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