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Das heutige Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urteil vom 27. Juli 2017, 2 AZR 681/16) befasste sich mit der Frage, ob personenbezogene Daten, die mittels Überwachungssoftware auf einem Arbeitsplatz-Rechner erhoben wurden, auch zur Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses verarbeitet werden dürfen.

Über einen Software-Keylogger, der auf dem vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten PC eines Mitarbeiters installiert wurde, wurden die Tastatureingaben des Mitarbeiters protokolliert sowie in regelmäßigen Abständen Screenshots vom Bildschirm angefertigt. Diese Maßnahme des Arbeitgebers erfolgte wohl heimlich oder zumindest gab der Arbeitgeber einen anderen Zweck für eine solche Datenverarbeitung an.

Anschließend wurden die Daten jedoch zum Zwecke der Verhaltenskontrolle des Mitarbeiters verwendet und das dadurch aufgedeckte Fehlverhalten des Mitarbeiters als Anlass zur Kündigung genommen.

Zwar besteht grundsätzlich ein berechtigtes Interesse des Arbeitgebers, die Begehung von Vertragsverletzungen zu seinen Lasten oder gar Straftaten durch den Mitarbeiter im Arbeitsverhältnis aufzudecken. Nach Sicht des Bundesarbeitsgerichts hatte der Arbeitgeber jedoch vor Einsatz der Überwachungssoftware keinen „auf Tatsachen beruhenden Verdacht einer Straftat oder einer anderen schwerwiegenden Pflichtverletzung“ (Pressemitteilung Nr. 31/17 des Bundesarbeitsgerichts). Das Bundesarbeitsgericht hat daher bereits die mit dieser anlass- und lückenlosen Überwachung einhergehende Datenerhebung als unzulässig erachtet, da dies gegen das Datenschutzprinzip der Verhältnismäßigkeit verstoße.

Somit dürfen die in unzulässiger Weise erhobenen Daten nicht zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses verarbeitet werden. Und ohne die Daten lässt sich die Kündigung des Mitarbeiters nicht rechtfertigen.

S. Kieselmann
Beraterin für Datenschutz
Dipl.sc.pol.Univ.

Das zwischen der EU und Kanada geplante Abkommen zur Übermittlung von Fluggastdaten ist nach heutigem Urteil des EuGHs nicht mit den Grundsätzen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu vereinbaren.

Das Abkommen sollte festlegen, dass sensible Daten der Fluggäste (Kreditkartendaten, Essenswünsche, Angaben zum Gepäck und Kommentare des Flugpersonals) ohne Anlass oder Verdacht für einen Zeitraum von 5 Jahren gespeichert und an Kanada übermittelt werden dürfen. Darüber hinaus hätte Kanada die Daten ebenfalls speichern, verarbeiten und sogar an andere Drittländer übermitteln dürfen.

Eine solche Regelung hätte die angestrebte Datenhoheit einer jeden betroffenen Person in hohem Maße beschnitten, wenn nicht ganz ausgesetzt.

Sofern die EU und Kanada weiterhin ein solches Abkommen anstreben, wird eine umfangreiche Anpassung der enthaltenen Regelungen notwendig. Es ist jedoch fraglich, ob eine Anpassung wirklich möglich ist. Denn um mit der DSGVO konform zu sein, müssen alle Grundsätze beachtet werden. Damit würde wohl aber der angestrebte Zweck des ursprünglichen Abkommens kaum noch erreicht werden können.

Lisa Benjowski
Informationsjuristin (LL.B.), Consultant für Datenschutz

Auch im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sollte der Arbeitgeber die Nutzung der betrieblichen Arbeitsmittel (Firmentelefon, dienstlicher PC oder mobile Endgeräte) und elektronischen Kommunikationsmedien (betrieblicher E-Mail-Account & Internetzugang, Internet-Telefonie) durch seine Mitarbeiter regeln. Denn die bereichsspezifischen datenschutzrechtlichen Vorschriften des TKG und TMG, welche die E-Privacy-Richtlinie (Richtlinie 2009/136/EG als Neufassung der Richtlinie 2002/58/EG) umsetzen, bleiben auch weiterhin gültig.

Sofern der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern verbietet, dass die von ihm zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel und Kommunikationsmedien auch privat genutzt werden, finden die Vorschriften des TKG und des TMG wegen § 3 Nr. 10 TKG und § 11 Abs. 1 Nr. 1 TMG keine Anwendung. Maßgeblich für die Verarbeitung von Beschäftigtendaten durch den Arbeitgeber, die anfallen, wenn die Mitarbeiter die betrieblichen Arbeitsmittel und Kommunikationsmedien nutzen, ist dann allein die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Der Arbeitgeber sollte jedoch seine Mitarbeiter über das Privatnutzungsverbot einschließlich der Folgen bei Zuwiderhandlung informieren (z.B. als Passus im Arbeitsvertrag) und diese über die Aufrechterhaltung des Privatnutzungsverbots regelmäßig belehren.

Sofern der Arbeitgeber die Privatnutzung gestattet, erbringt er nach Auffassung der Aufsichtsbehörden Telekommunikationsdienste i.S.v. § 3 Nr. 6 TKG bzw. Telemediendienste i.S.v. § 2 Nr. 1 TMG. Die dabei anfallenden Verkehrs- bzw. Nutzungsdaten sowie die Inhalte der Kommunikationsvorgänge unterliegen damit dem Fernmeldegeheimnis des § 88 TKG (§ 7 Abs. 2 S. 3 TMG verpflichtet auch Telemediendienstleister auf das Fernmeldegeheimnis).

Ein Zugriff auf Daten, die dem Fernmeldegeheimnis unterliegen, ist dem Arbeitgeber dann grundsätzlich nur noch mit Einwilligung der betreffenden Mitarbeiter erlaubt. Ausnahmen gelten nur gemäß §§ 88 Abs. 3, 100, 107 TKG.

Daher sollte der Arbeitgeber die Erlaubnis zur Privatnutzung möglichst beschränken (z.B. lediglich auf die private Nutzung des betrieblichen Internetzugangs) und vorab entsprechende Nutzungsregeln (über eine Betriebsvereinbarung oder Richtlinie) erstellen sowie Einwilligungen der Mitarbeiter wirksam einholen. Entsprechende Muster hierzu hat it.sec bereits für ihre Kunden erstellt.

S. Kieselmann
Beraterin für Datenschutz
Dipl.sc.pol.Univ.

Am 05.07.2017 wurde das Datenschutz-Anpassungs- und -Umsetzungsgesetz EU (DSAnpUG-EU) verkündet.

Mit Art. 1 DSAnpUG-EU wurde das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-Neu) neu beschlossen, um Regelungsaufträge und Handlungsoptionen (Öffnungsklauseln) aus der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) umzusetzen. Das BDSG-Neu wird am 25.05.2018 in Kraft treten.

Art. 7 DSAnpUG-EU tritt gemäß Art. 8 Abs. 2 DSAnpUG-EU jedoch bereits einen Tag nach Verkündung in Kraft und sieht bis zum 25.05.2018 noch eine Änderung des bisherigen Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) vor: Der nun neu eingeführte § 42b BDSG sieht einen Rechtsbehelf vor, welcher es den Aufsichtsbehörden für den Datenschutz bereits jetzt ermöglicht, gegen Angemessenheitsbeschlüsse oder Beschlüsse der Europäischen Kommission über die Anerkennung von Standardvertragsklauseln (zukünftig: „Standarddatenschutzklauseln“) vorzugehen: So können die Aufsichtsbehörden ab sofort das Bundesverwaltungsgericht veranlassen, beispielsweise den Durchführungsbeschluss zum EU-US Privacy Shield ((EU) 2016/1250 vom 12.07.2016) oder den Beschluss der EU-Kommission vom 05.02.2010 (2010/87/EU), der im Annex die Standardvertragsklauseln enthält, einer gerichtlichen Überprüfung zu unterziehen bzw. die Frage zur Gültigkeit eines solchen Beschlusses dem EuGH zur Entscheidung vorzulegen.

Die Einführung des § 42b BDSG ist damit die Konsequenz aus dem Safe Harbor-Urteil des EuGH vom 06.10.2015, in dem der EuGH festgestellt hat (vgl. Urteil im Volltext, insbesondere Rn 65, unter http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf;jsessionid=9ea7d2dc30dd54db4a4232764d349fe6a58e115fe8fb.e34KaxiLc3qMb40Rch0SaxuRbx10?text=&docid=169195&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=199052), dass es der nationalen Kontrollstelle an der Befugnis fehlte, die von ihr für begründet erachteten Beschwerden betroffener Personen gegen die Übermittlung ihrer personenbezogenen Daten in die USA auf Basis von Safe Harbor vor den nationalen Gerichten geltend machen zu können.

Im Kontext des Safe Harbor-Urteils des EuGH stellten die Aufsichtsbehörden ebenso die Zulässigkeit des alternativen Rechtsinstruments der Standardvertragsklauseln für Datenübermittlungen in die USA in Frage und kritisierten den nachfolgenden Angemessenheitsbeschluss basierend auf den Abreden zum EU-US Privacy Shield als unzureichend (vgl. ULD Schleswig-Holstein zum Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 6. Oktober 2015, S. 4, https://www.datenschutzzentrum.de/uploads/internationales/20151014_ULD-Positionspapier-zum-EuGH-Urteil.pdf bzw. die Stellungnahme der Artikel-29-Gruppe (zukünftig: Europäischer Datenschutzausschuss), die aus Vertretern der Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten besteht, abrufbar unter http://ec.europa.eu/justice/data-protection/article-29/press-material/press-release/art29_press_material/2016/20160726_wp29_wp_statement_eu_us_privacy_shield_en.pdf).

Es bleibt daher spannend, inwiefern die deutschen Aufsichtsbehörden nun diese Möglichkeit, die ihnen § 42b BDSG eröffnet, ausschöpfen und Feststellungsklage beim Bundesverwaltungsgericht einreichen werden.

S. Kieselmann
Beraterin für Datenschutz
Dipl.sc.pol.Univ.

Sofern Microsoft-Kunden mit Sitz in der EU/EWR die Online-Dienste der Microsoft Corporation (z.B. Office 365) nutzen, werden personenbezogene Daten, für die sie verantwortlich sind, von Microsoft im Auftrag verarbeitet und in Rechenzentren gespeichert, die sich u.a. auch in Drittstaaten befinden.

Die von Microsoft zur Verfügung gestellten Online Services Terms (OST) in ihrer jeweils aktuellen Form müssen daher den Vorgaben der Artikel 28 sowie 44 ff Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) entsprechen.

Was ist dabei für die Verantwortlichen als schwierig anzusehen?

Der Aufbau des Textes ist eher undurchsichtig gestaltet:
Zum einen ist der Aufbau der OST insgesamt recht unübersichtlich gestaltet. Dies zeigt sich einmal dadurch, dass die einzelnen Bestandteile der notwendigen Bestimmungen im Sinne von Art. 28 Abs. 3 DSGVO nicht zusammenstehen, sondern im gesamten Text oder über Verweise zu anderen Verträgen, einzelnen Abschnitten oder Anhängen eher versatzstückhaft zu finden sind. So ergeben der eigentliche Volumenlizenzvertrag sowie die Data Processing Terms (DPT) (S. 11 ff der OST in der Version vom Juli 2017) den Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Gleichzeitig sieht die Erfüllung des Volumenlizenzvertrags die Erfüllung der Standardvertragsklauseln (Anhang 3 zu den OST in der Version vom Juli 2017, auf welchen in den DPT verwiesen wird) vor (vgl. S. 11 ff der OST in der Version vom Juli 2017). Das erschwert eine schnelle Übersicht aller Regelungen erheblich. Alle wichtigen Bestimmungen müssen also aus verschiedenen Passagen und Bestimmungen herausgelesen und vom Verantwortlichen erst zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden. Zudem gelten die DPT nur für bestimmte Online-Dienste.

Die Angaben zu den Verarbeitungsstandorten sind teilweise widersprüchlich:
Zum einen gibt Microsoft an, dass die Daten in den USA, aber eben auch in allen Ländern verarbeitet werden können, in welchen das Unternehmen einen Standort bzw. eine Tochtergesellschaft hat (vgl. S. 9 der OST in der Version vom Juli 2017). Zum anderen wird je nach Online-Dienst ein gesonderter Ort genannt, an denen die Daten physisch gespeichert werden, entweder begrenzt auf ein sog. „Geo“ (z.B. Europäische Union oder Vereinigtes Königreich), die USA, das Land, in dem der Kunde seinen Mandanten-Account bereitstellt oder den Dienst konfiguriert, wo er bereitgestellt werden soll (vgl. S. 12 der OST in der Version vom Juli 2017), wenn nicht bei dem jeweiligen Online-Dienst zusätzliche Standorte gelten. Gleichzeitig wird über die Webseite http://www.microsoft.com/online/legal/v2/?docid=25&langid=de-DE der Speicherort am Sitz des Microsoft-Kunden festgemacht, also z.B., wenn der Sitz in der Europäische Union ist, werden Daten in Irland, den Niederlanden, Österreich, Finnland und den USA gespeichert. Die Standortangaben begrenzen sich zudem auf das Land, genaue Adressen werden nicht bekannt gegeben.
Zusammen mit den Standorten der zahlreichen eingesetzten Auftragsverarbeiter, sämtlichen Microsoft-Gesellschaften und den Rechenzentren an unbestimmten Orten eröffnet sich zugleich ein sehr großes wie auch für den Verantwortlichen undurchsichtiges Gebiet, in dem eine Verarbeitung stattfinden kann.

Ein Einspruch gegen den Einsatz weiterer Auftragsverarbeiter ist faktisch nicht möglich:
Weiterhin ist auch beachtlich, dass mit Abschluss des Vertrags der Verantwortliche in den OST zustimmt, dass Microsoft weitere Auftragsverarbeiter einsetzen darf, ohne die eingesetzten Dienstleister zu benennen oder auf die Webseite zu verlinken, wo die Liste der Auftragsverarbeiter bereitgestellt wird.
Microsoft stellt spätestens 6 Monate vor Bestimmung eines neuen Auftragsverarbeiters eine Liste mit den konkreten Daten dieser weiteren Verarbeiter zur Verfügung. Allerdings kann ein Einspruch des Verantwortlichen gegen einen dieser Verarbeiter dann nur durch eine Kündigung des Dienstes, welcher durch den weiteren Auftragsverarbeiter umgesetzt werden soll, wirksam gemacht werden. Sollte dieser Dienst ein Teil einer größeren Anwendung sein, stellt die Teilkündigung dann sogar eine Kündigung der gesamten Anwendung dar.
Sofern der Dienst also noch weiter genutzt werden soll, ist faktisch ein wirksamer Einspruch gegen den weiteren Auftragsverarbeiter nicht möglich.
Ob diese Auslegung des Einspruchs des Verantwortlichen mit der DSGVO konform ist, ist doch wenigstens fraglich.

Das Schriftformerfordernis wird nicht gewahrt:
Mit Art. 28 Abs. 9 DSGVO ist ein Abschluss des Vertrags zur Auftragsverarbeitung in Schriftform nicht mehr zwingend. In den OST werden jedoch auch die Standardvertragsklauseln zum Bestandteil des Vertrages, um insbesondere die mit der Nutzung der Online-Dienste verbundene Datenübermittlung in Drittstaaten abzusichern. Die Standardvertragsklauseln sind aber nur wirksam, wenn sie, wie im Annex zum Beschluss der EU-Kommission vom 05.02.2010 (2010/87/EU) vorgegeben, verwendet und nicht verändert werden. Durch die Unterschriftsfelder und in den Anhängen durch den Satz "Dieser Anhang ist Bestandteil der Klauseln und muss von den Parteien ausgefüllt und unterzeichnet werden“ deutet vieles darauf hin, dass der Abschluss der Standardvertragsklauseln der Schriftform bedarf. Es bleibt also fraglich, ob Standardvertragsklauseln mit der aufgedruckten Unterschrift durch den Corporate Vice President von Microsoft und ohne Unterschrift des Microsoft-Kunden in letzter Konsequenz wirksam einbezogen werden können.

Lisa Benjowski
Informationsjuristin (LL.B.), Consultant für Datenschutz

Zum 18.06.2017 hat Twitter seine Datenschutzrichtlinie angepasst und damit sowohl Positives als auch Negatives für seine Nutzer erzeugt.

Zum Einen gibt es für den Benutzer nun in den Einstellungen der Anwendung die Möglichkeit, in höherem Maß über die von Twitter erhobenen Daten sowie deren Nutzung zu bestimmen. Und darüber hinaus auch die Möglichkeit, zu bestimmen, in welcher Form durch den Anbieter geworben und auf Daten auf dem Handy, sofern der Dienst mobil genutzt wird, zugegriffen werden darf. Also ob die geschaltete Werbung personalisiert werden soll oder nicht. Damit wird dem Nutzer eine höhere Kontrolle im Umgang mit seinen Daten ermöglicht.

Daneben wird aber die ‚Do-Not-Track‘-Funktion, welche von verschiedenen Browsern angeboten wird, nicht mehr unterstützt bzw. durch den Dienst überhaupt nicht mehr zugelassen. Mit dieser Funktion konnte der Nutzer ursprünglich in seinem Browser einstellen, dass er durch keinen Dienst nachverfolgt werden möchte. Eine solche klare Entscheidung für oder gegen das Tracking über den Browser erscheint benutzerfreundlich und gut verständlich. Alternativ bietet Twitter jetzt sehr detaillierte Einstellungen zur Privatsphäre in der Anwendung an. Dies birgt aber für den Nutzer ein höheres Risiko, aus den vielen gebotenen Wahlmöglichkeiten möglicherweise nicht die für ihn Vorteilhafteste auszuwählen. Zudem könnte dies dem Prinzip von Privacy by Default widersprechen, wenn die Nutzer die Einstellungen zum Schutz ihrer Daten erst noch vornehmen müssen und diese nicht schon voreingestellt sind.

Lisa Benjowski
Informationsjuristin (LL.B.), Consultant für Datenschutz

Art. 88 Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gibt den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, spezifischere Vorschriften zum Schutz der Beschäftigten bei Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten durch den Arbeitgeber zu erlassen.

Dabei müssen mindestens die folgenden Bereiche geregelt werden, damit durch die damit verbundene Datenverarbeitung die Grundrechte und schutzwürdige Interessen der Beschäftigten gewahrt bleiben:

- Datenübermittlungen innerhalb einer Unternehmensgruppe

- Überwachungssysteme am Arbeitsplatz

Die Vorschriften müssen zudem für die Beschäftigten verständlich und in leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache verfasst sein und Vorgaben enthalten, dass der Arbeitgeber seinen Informationspflichten gegenüber den Beschäftigten nachzukommen und die Verarbeitungsprozesse transparent zu machen hat. Die Beschäftigten müssen nachvollziehen können, ob, von wem und zu welchen Zwecken ihre Daten verarbeitet werden.

Derzeit sieht ein entsprechender Gesetzesentwurf die Regelung des Beschäftigtendatenschutzes in Deutschland mit folgenden Neuerungen vor:

- An die Wirksamkeit von Einwilligungen der Beschäftigten in die Verarbeitung ihrer Daten werden strengere Anforderungen gestellt.

- Die Datenverarbeitung ist auch auf Grundlage von Kollektivvereinbarungen (d.h. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gemäß Erwägungsgrund 155 DSGVO) oder zur Erfüllung der Rechte und Pflichten der Interessenvertretungen der Beschäftigten zulässig.

- Die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten (z.B. Gesundheitsdaten) soll zudem zulässig sein, wenn dies zur Erfüllung von Pflichten aus dem Arbeitsrecht, dem Recht der sozialen Sicherheit und des Sozialschutzes erforderlich ist.

- Leiharbeiter werden als Beschäftigte des entleihenden Unternehmens definiert.

Die weiteren Anforderungen aus Art. 88 DSGVO wurden dabei jedoch nicht berücksichtigt. So sind beispielsweise keine Regelungen hinsichtlich der Datenverarbeitung innerhalb eines Konzerns, zum Schutz des Eigentums des Arbeitgebers oder zur Aufdeckung von Pflichtverletzungen, die noch keine Straftaten darstellen, aber zur Kündigung des Mitarbeiters durch den Arbeitgeber berechtigen, enthalten.

S. Kieselmann

Beraterin für Datenschutz

Dipl.sc.pol.Univ.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationssicherheit (BfDI) hat am 1. Juni 2017 ein Positionspapier veröffentlicht, das datenschutzrechtliche Empfehlungen zum automatisierten und vernetzten Fahren ausspricht (vgl. https://www.bfdi.bund.de/SharedDocs/Publikationen/Allgemein/DatenschutzrechtlicheEmpfehlungenVernetztesAuto.html?nn=5217154).

Die 13 Empfehlungen sind im Wesentlichen Umsetzungen der Datenschutzgrundverordnung für den Betrieb intelligenter Fahrzeuge. So darf die Datenverarbeitung im Fahrzeug und für datenbasierte Dienste nur im notwenigen Umfang auf personenbezogene Daten zugreifen (Empfehlung 3). Nach dem Grundsatz "Privacy by default" müssen datenschutzfreundliche Voreinstellungen etabliert werden (Empfehlung 9). Die Systeme müssen einen wirksamen Schutz vor Cyber-Angriffen bieten (Empfehlung 13). Die Empfehlungen gehen nicht ins Detail, sind aber hilfreiche Richtlinien bei der Gestaltung datenschutzkonformer IT-Systeme in intelligenten Fahrzeugen.

Die 13 Empfehlungen wurden anlässlich eines Symposiums zum Datenschutz im automatisierten und vernetzten Fahrzeug auf Einladung der BfDI veröffentlicht. In ihrer Eröffnungsrede wies die BfDI darauf hin, moderne Fahrzeuge würden bereits jetzt Daten zum Fahrverhalten und den zurückgelegten Wegen sammeln, aus denen sich Persönlichkeitsprofile erstellen ließen. Fahrer müssten daher die volle Hoheit über die Verwendung personalisierter Fahrzeugdaten haben. Über jede Datenverwendung müsse im Sinne einer vollständigen Transparenz unterrichtet werden (Näheres finden Sie unter https://www.bfdi.bund.de/DE/Infothek/Pressemitteilungen/2017/13_SymposiumAutomatisiertesFahren.html).

Die Fahrzeugindustrie, die nach dem Diesel-Abgasskandal viel Vertrauen verloren hat, versucht solches wiederzugewinnen.
BMW hat in einer Pressemitteilung vom 30. Mai 2017 erklärt, der „Schutz der Fahrzeugdaten gehöre zum Verständnis von Premium beim hochvernetzten Fahrzeug“ (vgl. unter https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/article/detail/T0271366DE/bmw-group-startet-bmw-cardata:-neue-und-innovative-services-fuer-den-kunden-%E2%80%93-sicher-und-transparent?language=de). Kunden sollten die Möglichkeit erhalten zu entscheiden, was mit den Daten passiere. Das soll mit BMW CarData möglich sein. Fahrzeugdaten, wie der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch, würden verschlüsselt über eine im Fahrzeug eingebaute SIM-Karte an BMW-Server übertragen, von wo Service-Anbieter nach Einwilligung des Kunden diejenigen Daten verschlüsselt beziehen könnten, die sie für ihre Dienstleistungen benötigen. Per Mausklick könne der Fahrer Datenfreigaben erteilen, sie ablehnen oder bereits erteilte Freigaben entziehen. Der Fahrer könne auch jederzeit über ein Portal einen Report über weitergegebene Daten anfordern.

Die weitere Diskussion um durch Fahrzeuge bzw. in Fahrzeugen generierte Daten bleibt spannend.

Dr. Wolfhard Steinmetz
Consultant für Datenschutz

Die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz der Länder Frankreich, Niederlande, Belgien, Spanien und des Bundeslandes Hamburg, haben in einer gemeinsamen Aktion die Praktiken von Facebook bezüglich des Datenschutzes geprüft.

Im Ergebnis (https://www.cnil.fr/en/facebook-sanctioned-several-breaches-french-data-protection-act) befand die CNIL, dass sowohl Facebook Inc. als auch Facebook Ireland Ltd. mehrere schwere Verstöße gegen geltendes französisches Datenschutzrecht begangen haben.

Unter anderem wirft die Behörde dem Unternehmen vor, dass die Sammlung von Nutzerdaten, um sie zu bündeln und für personalisierte Werbung zu verwenden, auf keiner Rechtsgrundlage gründet und die Sammlung der Daten durch unzulässiges Tracking mittels des ‚datr‘ Cookies erfolgt.

Eine angemessene Widerspruchslösung für die betroffenen Personen sei nicht ausreichend vorhanden. Weiterhin seien die Informationen bezüglich des Trackings vom Nutzerverhalten auf weiteren Websites für die betroffenen Personen nicht einwandfrei transparent, um nachvollziehen zu können wo und in welchem Umfang Daten erhoben werden.

Somit sei das Vorgehen des Unternehmens rechtswidrig und auch in so umfangreichem Maß begangen, dass es das höchstmögliche Bußgeld von 150.000 Euro aufgrund einer Datenschutzrechtsverletzung rechtfertigt.

Facebook beruft sich darauf, dass für das Unternehmen lediglich das irische Datenschutzrecht gelte, da es nur in Irland einen Sitz habe und somit Frankreich nicht für das Unternehmen zuständig sei.

Diesem Einwand wird von der CNIL aber ebenfalls Rechnung getragen (https://www.cnil.fr/fr/node/23602). Sie begründet ihre Zuständigkeit damit, dass Facebook im Zuge des Verkaufs von Werbung zahlreiche Büros in verschiedenen europäischen Ländern unterhalte und dieses Geschäft untrennbar mit der Verarbeitung der personenbezogenen Daten verbunden sei. Einzelstaatliches Datenschutzrecht eines jeden Mitgliedstaats komme damit zur Anwendung, in welchen diese Niederlassungen ihre Tätigkeit ausüben. Auf die Art der Niederlassung, also ob es sich dabei um Tochtergesellschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit, unselbständige Zweigstellen oder lediglich kleine Büros handele, sei dabei unerheblich.

Dem Unternehmen stehen noch 4 Monate zu, in denen es Widerspruch gegen den Beschluss der CNIL einlegen kann.

Spätestens aber ab dem 25. Mai 2018 wird sich Facebook Inc. nicht mehr darauf berufen können, dass für andere Behörden keine Zuständigkeit besteht. Denn mit der DSGVO tritt das Marktortprinzip in Kraft, womit auch für jedes außereuropäische Unternehmen, das im Gebiet eines Mitgliedstaats agiert, die DSGVO zwingend gilt. In diesen Fällen ist jede Aufsichtsbehörde im Hoheitsgebiet ihres Mitgliedstaats zuständig.

Allerdings wird mit der DSGVO auch der One Stop Shop-Mechanismus (OSS) eingeführt. Danach ist im Normalfall bei einer Datenverarbeitung, die grenzüberschreitend in mehr als einem Mitgliedstaat erfolgt, die Aufsichtsbehörde des Mitgliedstaates zuständig, in dem das Unternehmen seine Hauptniederlassung oder seine einzige Niederlassung innerhalb der Europäischen Union hat – in diesem Fall wäre dann wohl doch die irische Aufsichtsbehörde zuständig. Allerdings entscheidet diese Behörde nicht allein, sondern muss die anderen Aufsichtsbehörden einbinden. Zudem ergibt sich das maßgebliche Datenschutzrecht in Irland dann ebenso aus der DSGVO.

Lisa Benjowski
Informationsjuristin (LL.B.), Consultant für Datenschutz

 

Nun ist es noch knapp 1 Jahr, bis die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union unmittelbar in allen EU-Mitgliedsstaaten in Kraft tritt. Der Stichtag ist mittlerweile sicher allen bekannt. Es ist der 25.5.2018.

Ein Jahr klingt lang, ist es aber nicht. Bedenken Sie, dass Sie im kommenden Jahr in Sachen Datenschutz weitaus mehr Arbeit leisten müssen als die vergangenen Jahre. Ihr Ziel sollte es sein, bis Ende des Jahres einen Großteil der neuen Vorschriften umgesetzt zu haben, damit Sie dann noch genügend Zeit für den Feinschliff haben.

Die Vorbereitung auf die Datenschutzgrundverordnung ist mit viel zusätzlichem Aufwand Ihrerseits und Ihres Datenschutzbeauftragten verbunden. Sollten Sie noch keinen Datenschutzbeauftragten haben, ist es an der Zeit sich darum zu bemühen. Ohne qualifizierte Unterstützung ist die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung nur schwer zu meistern.

Bedenken Sie, es muss nicht nur der Datenschutz aktuell am Laufen gehalten werden, sondern die neuen Vorschriften sind Stück für Stück in Ihrem Unternehmen zu integrieren. Da kommt, je nachdem wie Sie bisher den Datenschutz in Ihrem Unternehmen gehandhabt haben, viel Arbeit auf Sie zu. Diese sollten Sie aufgrund der drohenden sehr hohen Bußgelder aber nicht scheuen.

Ein Jahr ist noch ein gutes Zeitpolster, zu sehr trödeln sollte man mit der Umsetzung der neuen Vorschriften jedoch nicht.

Dr. Bettina Kraft
Beraterin für Datenschutz
Justiziarin

ADCERT Angemessenheitsbeschluss Anwendbarkeit Art. 17 DSGVO Art. 25 DSGVO Art. 26 DSGVO Art. 32 DSGVO Art. 37 DSGVO Art. 4 Nr. 12 DSGVO Art. 45 DSGVO Art. 8 MRK Art. 9 DSGVO Audit Aufsichtsbehörde Auftragsverarbeitung Auskunftei Auskunftsrecht Automatisierte Einzelentscheidung Autsch BAG BDSG-Neu Begrifflichkeiten Beherbergungsstätten Benachrichtigungspflicht Beschäftigtendatenschutz besondere Kategorien personenbezogener Daten betrieblicher E-Mail-Account betrieblicher Internetzugang Betroffenenrechte BfDI BGH biometrische Daten Biometrische und genetische Daten Bitkom Bonitätsprüfung Brexit Bundesarbeitsgericht Bußgeld BVG Cloud CNIL Compliance Cookie Datenlöschung Datenminimierung Datenpanne Datenschutz Datenschutz Grundverordnung Datenschutzbeauftragter Datenschutzerklärung Datenschutzgrundsätze Datenschutzgrundverordnung Datenschutzprinzipien Datenschutzverletzung Datensicherheit Datenübermittlung Datenübermittlung an Dritte Datenübermittlung in Drittstaaten Datenverarbeitung Do not track-Funktion Donald Trump Dritter Drittstaat ohne angemessenes Datenschutzniveau DSAnpUG-EU DSGVO DSK dynamische IP-Adresse eCall-Technologie EES Einwilligung Einwilligungserklärung Entsorgung Erhebung personenbezogener Daten Erwägungsgrund 48 der DSGVO eSafety-Initiative ETIAS EU-Datenschutz-Grundverordnung EuGH Facebook Fahrzeugdaten Fahrzeuge Fernmeldegeheimnis FlugDaG Fluggastdaten Gemeinsam Verantwortliche Home Office Immobilienmakler Informationspflichten Informationssicherheit IP-Adresse Irland ISO/IEC 27001 IT Governance IT GRC IT-Forensik IT-forensische Untersuchung IT-Sicherheit Joint Control Kanada Konzern konzerninterner Datentransfer Leistungs- und Verhaltenskontrolle Löschung personenbezogener Daten Marktortprinzip Meldepflicht Meldescheine Microsoft NIST One Stop Shop Passenger Name Records Passwort Passwörter Passwörter. 2016 Passwortregeln Passwortschutz Personalausweiskopien personenbezogene Daten PNR-Daten PNR-Instrumente Privacy by Default Privacy by Design Privacy Shield Privatnutzung Privatnutzungsverbot Profiling Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens Recht auf Berichtigung Recht auf Datenübertragbarkeit Recht auf Einschränkung Recht auf Löschung Rechte der betroffenen Person Risk & Compliance Management Sicherheitsvorfälle kritische Infrastrukturen IT-Sicherheitsbeauftragten ISMS Siegel Skype Sony PSN Standardvertragsklauseln Technische & organisatorische Maßnahmen technische & organisatorische Maßnahmen Telemediendienst Telemediengesetz TKG TMG Tracking Tracking Tools Twitter Übermittlung personenbezogener Daten Überwachungssoftware Umfrage Umsetzungsfrist unpersonalisierter Benutzer-Account Unternehmensgruppe USA Vereinbarung Vernichtung von Datenträgern Verordnung (EU) 2015/758 Vertrag zur Auftragsverarbeitung Verwaltungsakt Verwaltungsgericht Karlsruhe Videoüberwachung Vorteile Webseite Webseiten Webtracking Webtrecking Werbung Widerrufsrecht Widerspruchsrecht Zertifikat Zertifizierung Zulässigkeit § 15 TMG § 26 BDSG-Neu § 32 BDSG § 32 DSGVO § 38 BDSG-Neu § 42a BDSG § 42b BDSG § 88 TKG

An dieser Stelle wollen wir von Zeit zu Zeit unsere Web-Logs ("blogs") pflegen und unsere Meinung zu bestimmten Themen kundtun.

Die einzelnen Posts stellen jeweils die Meinung des Autors dar und nicht zwangsläufig jene der it.sec. Die Inhalte sind stellen keine Beratung dar und übernehmen für die Inhalte keine Haftung.

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