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Am 6. Juli 2017 hat das Verwaltungsgericht (VG) Karlsruhe in seinem Urteil eine Verfügung des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI) aufgehoben (VG Karlsruhe Urteil vom 6.7.2017, 10 K 7698/16).

Der Anfechtungsklage war die Verfügung des LfDI in Form eines Verwaltungsakts gegen eine Auskunftei vorangegangen, ihr Löschkonzept entsprechend der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) anzupassen. Die Auskunftei sollte personenbezogene Daten, die sie nach dem 24.5.2018 unter Einbeziehung von Informationen über Forderungen für Bonitätsauskünfte speichert, spätestens nach Ablauf von drei Jahren, beginnend mit dem Zeitpunkt der Fälligkeit der Forderung, löschen, es sei denn, dass die betroffene Person zu diesem Zeitpunkt zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig gewesen sei.

Die Auskunftei hatte daraufhin erklärt, sie werde ihr Löschkonzept bis zum 25.05.2018 entsprechend der DSGVO überarbeiten. Dabei wolle sie jedoch die noch ausstehende Absprache hierzu zwischen dem Düsseldorfer Kreis und dem Verband für Wirtschaftsauskunfteien abwarten.

Daraufhin erließ der LfDI einen entsprechenden Verwaltungsakt auf Grundlage von § 38 Abs. 5 S. 1 BDSG i.V.m. Erwägungsgrund 39 und Art. 58 Abs. 2 lit. e) DSGVO, der die Auskunftei dazu verpflichten sollte, ihr Löschkonzept auf oben erläuterte Weise bereits jetzt anzupassen. Zwar läge momentan noch kein Verstoß gegen datenschutzrechtliche Vorschriften vor, ein solcher sei jedoch ab dem 25.05.2018 „schon deutlich vorgezeichnet“, da die Auskunftei nicht verbindlich zugesichert hätte, ihre Löschpraxis entsprechend zu ändern.

Das VG Karlsruhe stellte fest, dass es für den Erlass eines solchen Verwaltungsaktes bereits an einer Ermächtigungsgrundlage mangele. Weder bestünden derzeit Datenschutz-Verstöße noch wären entsprechende „Missstände (…) nach dem 24.05.2018 zu erwarten.“ Die von der Aufsichtsbehörde vorgegebene Regellöschfrist ergebe sich weder aus der DSGVO noch aus dem BDSG-Neu und entsprechend sei die „Prüf- und Löschpraxis“ der Auskunftei „noch völlig ungewiss“. Des Weiteren sei auch fraglich, ob aus dem Erwägungsgrund 39 „eine Rechtsgrundlage hergeleitet werden kann“. Auf jeden Fall durfte sich die Aufsichtsbehörde schon nicht auf Art. 58 Abs. 2 lit. e) DSGVO stützen, „da diese Vorschrift erst ab dem 25.05.2018 Gültigkeit beanspruchen wird (…).“

Darüber hinaus erfülle die Aufsichtsbehörde mit ihrer datenschutzrechtlichen Verfügung auch nicht die „Anforderungen an die Bestimmtheit eines Verwaltungsaktes.“

Dieses Urteil lässt somit den Schluss zu, dass die Aufsichtsbehörden die Verantwortlichen nicht dazu verpflichten können, die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung bereits im Vorhinein zu erfüllen. Dem Verantwortlichen wird damit eingeräumt, tatsächlich die gesamte Zeit bis zum Ablauf der Umsetzungsfrist nutzen zu können, um die Prozesse des Unternehmens inhaltlich und formal an die Datenschutzgrundverordnung anzupassen. Weiterhin kann aus dem Urteil auch geschlossen werden, dass die bisher etablierten Regellöschfristen anhand der DSGVO tatsächlich neu bewertet werden müssen.

Lisa Benjowski
Informationsjuristin (LL.B.), Consultant für Datenschutz

Ein Grundprinzip des Datenschutzes ist es, dass personenbezogene Daten nur solange gespeichert werden, wie man sie für die Zwecke, für die sie erhoben wurden, benötigt gemäß Art. 5 Abs. 1 lit. e) Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Art. 17 DSGVO verpflichtet daher den Verantwortlichen, personenbezogene Daten in den Fällen des Art. 17 Abs. 1 DSGVO unverzüglich zu löschen: So sind u.a. personenbezogene Daten zu löschen, sobald die Zwecke, für welche die Daten erhoben worden sind, wegfallen. Beispiel: Sofern einem Bewerber nach Sichtung seiner Bewerbungsunterlagen eine Absage erteilt wird, benötigt man die Bewerbungsunterlagen anschließend nicht mehr.

Art. 17 Abs. 3 DSGVO sieht jedoch Ausnahmen von der Datenlöschung vor, d.h. trotz Vorliegen eines Falls gemäß Art. 17 Abs. 1 DSGVO, dürfen die personenbezogenen Daten weiterhin verarbeitet werden, u.a. wenn gesetzliche Aufbewahrungspflichten der Löschung entgegenstehen oder der Verantwortliche die Daten zur Geltendmachung und Ausübung von Rechtsansprüchen oder zur Verteidigung gegen Rechtsansprüche weiterhin benötigt. Beispiel: Zur Entkräftung etwaiger Diskriminierungsvorwürfe dürfen Bewerbungsunterlagen des Bewerbers noch für 3 Monate, nachdem ihm eine Absage erteilt wurde, aufbewahrt werden.

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) enthält zwar keine Definition des Begriffs "Löschen". Dennoch sollte eine Art der Datenlöschung gewählt werden, durch welche die personenbezogenen Daten nach dem Vorgang nicht mehr vorhanden oder in einer Weise unkenntlich sind, dass sie nicht mehr verwendet oder rekonstruiert werden können.

Im Rahmen der Datenlöschung treffen den Verantwortlichen zudem Informationspflichten: So muss der Verantwortliche im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten die Regellöschfristen dokumentieren, die betroffenen Personen, deren Daten er verarbeitet, über die Speicherdauer informieren und andere Verantwortliche, denen gegenüber er die Daten öffentlich gemacht hat, benachrichtigen, wenn eine betroffene Person die Löschung dieser Daten verlangt.

Da Verstöße gegen die Prinzipien in Art. 5 DSGVO sowie ein Verstoß gegen Art. 17 DSGVO bußgeldbewehrt sind, sollte jeder Verantwortliche hinsichtlich der von ihm verarbeiteten Daten die für ihn geltenden Regellöschfristen sowie die Arten der Datenlöschung bestimmen, die datenschutzgerechte Umsetzung der Datenlöschung in seinem Unternehmen überwachen und seinen Informationspflichten nachkommen.

S. Kieselmann
Beraterin für Datenschutz

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